Münchner Merkur 01.09.2003: Einer der wenigen "Überlebenden"
Liedtke ist immer noch das, was man unter Mittelstand versteht
Indersdorf - Politiker jederwelcher Couleur fordern angesichts der ökonomischen Schwierigkeiten in Deutschland seit Jahren, der Mittelstand müsse gefördert und unterstützt werden. Nur so würden langfristig sichere Arbeitsplätze enstehen.
In den Ohren des Firmeninhabers der Liedtke Kunststofftechnik und Acryl GmbH, Dieter Schneider klingen solche Ankündigungen reichlich hohl. Die Firma Liedtke, so erzählt er, sei mit seinen etwa 80 Mitarbeitern in dieser Größenordnung einer der letzten noch existierenden Inhaberbetriebe im Landkreis Dachau überhaupt.
Noch in den 80er und 90er Jahren stand der Dachauer Landkreis in einer industriellen Blüte, "doch schauen sie sich jetzt mal um. Fast alle kleineren Betriebe sind sind aufgekauft und größtenteils dicht gemacht worden, oder sie gingen Konkurs."
Der heute 56-jährige Geschäftsführer stieg 1990 aus der Konzernleitung der Autoliv GmbH in Dachau aus. Mit dem Kauf einer eigenen Firma erfüllte er sich nach eigenen Worten einen Traum. Allerdings raubten ihm die betriebswirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens schon bald den Schlaf. Die Sparte Kunststofftechnik der Liedtke GmbH hatte sich vor allem auf die Innen- und Außenverkleidung von Caravans und Nutzfahrzeugen spezialisiert.
Nachdem der erste Boom im Zuge der Wiedervereinigung ab 1992 verebbt war, "kam der große Absacker", beschreibt Schneider die wirtschaftliche Situation. Eisern musste gespart werden. Parallel galt es aber, sich besonders am Caravanmarkt besser zu positionieren. Immerhin ist allein die Caravansparte für über die Hälfte des jährlichen Firmenumsatzes verantwortlich.
"Mittlerweile sind wir aber schon längst grund solide finanziert", versichert Schneider. Wie viel persönlicher Einsatz und Herzblut in diesem Unternehmen steckt, zeigt sich bei einem Firmenrundgang. Schneider begrüßt nahezu jeden Mitarbeiter mit Handschlag, findet immer Zeit für kleine Plaudereien.
Neben dem Caravan- und Nutzfahrzeugbereich sind die Produktion von industriellen Sonderverpackungen sowie der Bau von Leuchtschildern weitere Standbeine des Unternehmens. Die Zulieferung von Leuchtschildern fristet allerdings eine etwas stiefmütterliche Existenz.
Auch wenn Großkunden wie beispielsweise McDonalds Deutschland für die Liedtke Produkte gewonnen werden konnten, macht diese Sparte nur einen Umsatz von etwas zehn Prozent des Gesamtvolumens. Nach der Konsolidieungsphase würden nun gemäß der Forderungen aus der Politik eigentlich Investitionen an stehen. Dieter Schneider wagt aber den großen Sprung eines Firmen Neubaus auf der grünen Wiese nicht. Als Privatunternehmer bilanziert er: "Die politische Großwetterlage ist aktuell viel zu unsicher, als dass eine solche Aktion Sinn machen würde."